Was ist Bauforschung?

Bauforschung in Praxis und Lehre

Die Bedeutung der Baugeschichte und Bauforschung für das Bauen im Bestand liegt in der Sorgfalt, mit der ein historisches Gebäude dokumentiert und sein Zustand kartiert wird, sie liegt in der Schulung des Auges für Baufugen und komplizierte Bauphasen aus der Erbauungs- und Nutzungszeit des Gebäudes, sie bringt neue Erkenntnisse für den kulturgeschichtlichen Rahmen, in dem historische Gebäude errichtet wurden. Sie führt zu einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Bestand, die heute, angesichts einer allgemeinen Akzeptanz und sichtlichen Zunahme pseudohistorischer Kulissen, noch viel vehementer geführt werden sollte, bevor in den Bestand eingegriffen wird.

Lehre
Foto: Labor für Bauforschung, 2010

Trotzdem ist die Bauforschung, die konkrete Auseinandersetzung mit einem historischen Gebäude, keineswegs selbstverständlicher Bestandteil der Architekten- und Ingenieurausbildung an den Hochschulen. Die Hochschule RheinMain Fachbereich Architektur und Bauingenieurwesen hat eine Pflichtübung im 4. Semester des BA Studienganges Architektur zur Bauaufnahme und Dokumentationsmethode, ein Wahlfach um die Grundlagenkenntnisse zu vertiefen und sie in wissenschaftliche Arbeit zu überführen. Im MA Studium Architektur / Bauen im Bestand ist die Bauforschung als Pflichtfach in den Modulen zur Dokumentationstechnik und Denkmalpflege sowie im ersten Masterprojekt stark vertreten. Zusammen mit den aktuellen Forschungsprojekten und durch die langjährige erfolgreiche Lehr- und Forschungstätigkeit von Klaus Nohlen und hat das Labor für Bauforschung ein festes Standbein in der Ausbildung im Bereich der Bauforschung.

 

[ Auszug aus dem Vortrag: "Zur Lage der Bauforschung an den Universitäten in Deutschland" von Ulrike Wulf-Rheidt, 2002; URL: https://www.koldewey-gesellschaft.de/de/bauforschung/ulrike-wulf-rheidt.html ]